Kulturverein österreichischer Roma
Dokumentations- und Informationszentrum

Suche

Vortrag von Dr. Herbert Brettl

Dr. Herbert Brettl ist Träger des „Fred-Sinowatz-Wissenschaftspreises“ des Landes Burgenland sowie des „Theodor-Kery-Förderpreises“ für besondere Leistung auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft.

Dr. Herbert Brettl ist Träger des „Fred-Sinowatz-Wissenschaftspreises“ des Landes Burgenland sowie des „Theodor-Kery-Förderpreises“ für besondere Leistung auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft.

Zwischen Assimilierung, Ausgrenzung und Tod. Das Schicksal der Roma-Familie Ujvari aus Halbturn.

25 Jahre Anerkennung der Roma als Volksgruppe

Im Mittelpunkt der Arbeiten von Dr. Herbert Brettl steht die Geschichte des Burgenlandes mit Schwerpunkt Nationalsozialismus. Der in Halbturn (nördliches Burgenland) beheimatete Historiker hat im Zuge seiner wissenschaftlichen Tätigkeit intensiv im Gemeindearchiv über das Schicksal der Roma-Familie Ujvari aus Halbturn recherchiert. Am 26. September 2018 hielt Dr. Brettl im Dokumentations- und Informationszentrum des Kulturverein österreichischer Roma einen Vortrag über seine Nachforschungen.

Brettl erzählte, dass die Familie Ujvari beinahe 200 Jahre im Ort lebte. In diesem Zeitraum blieben die Mitglieder der Familie am untersten Rand der dörflichen Gesellschaftsordnung, obwohl sie ihre Lebensart grundlegend änderten und sich zu assimilieren versuchten. Im September 1941 wurden die noch in Halbturn verbliebenen Roma ins sogenannte „Zigeunerlager“ Lackenbach eingewiesen. Darunter auch die Familie Ujvari, die es als unverständlich ansah, da sie einer geregelten Arbeit nachgingen und sich den gesellschaftlichen Werten der Dorfgemeinde anpassten. Sie fühlten sich ungerecht behandelt, glaubten, dass es sich bei ihrer Verhaftung um ein Missverständnis handle, und bat die Gemeindeverantwortlichen um Hilfe. Im Gemeindearchiv von Halbturn fand Brettl einen Brief der aus dem Lager Lackenbach, an das Gemeindeamt Halbturn geschrieben wurde. Darin ersuchten die Hilfesuchenden dem Bürgermeister sowie dem Amtmann, zu helfen, sie aus dem Lager heraus zu bringen. Die Hoffnung, dass ihnen die Gemeinde helfe und sie danach in ihrer Heimatgemeinde wieder ein Leben wie vor dem Abtransport führen könnten, erfüllte sich nicht. Der Bürgermeister notierte auf dem Brief den Vermerk „unbeantwortet lassen“.

Brettl: „Von der Familie der Elisabeth bzw. Stefan Ujvari hat niemand die NS-Zeit überlebt. Von der Familie des Georg Ujvari (ein Cousin des Stefan) haben ein paar Familienmitglieder überlebt. Die Schwestern des Georg brachte man nach Ravensbrück und nicht nach Lackenbach, was sie wohl „gerettet“ hat.“ 1954 verlor Georg Ujvari seine Stelle als Gemeindeviehhirte und er verließ seine Heimatgemeinde Halbturn.

Druckversion

nach oben