Kulturverein österreichischer Roma Dokumentations- und Informationszentrum

Internationaler Roma-Tag - Festveranstaltung im Parlament

Hass im Netz. Minderheitenschutz(los)?

Anlässlich des Internationalen Roma Tages (8. April) fand am 8. April 2026 im Wiener Parlament eine Veranstaltung statt, die sich einem drängenden gesellschaftlichen Problem widmete: Zunehmende Diskriminierung und dem Hass gegen Roma und Sinti im digitalen Raum. Der Gedenktag erinnert an den ersten Welt-Roma-Kongress 1971 in London, bei dem Roma aus ganz Europa erstmals gemeinsam ihre Rechte einforderten.

Peter Haubner, 2. Nationalratspräsident, eröffnete Veranstaltung die Festveranstaltung. Der Kuratoriumsvorsitzende des Nationalfonds der Republik Österreich betonte in seiner Rede Demokratie bedeute Minderheiten und ihre Rechte zu schützen und ihre Stimmen zu hören. Ausgrenzung, Stigmatisierung und Hass hätten keinen Platz in der Gesellschaft, weder im analogen Alltag noch im digitalen Raum. Integrationsministerin Claudia Bauer bekräftigte in einer Videobotschaft, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei und Minderheitenschutz selbstverständlich auch in der digitalen Welt gelte. Sie betonte die Bedeutung von Dialog und gesellschaftlichem Miteinander und hob die Roma, Dialogplattform sowie das Parlament als wichtige Orte parteiübergreifender Zusammenarbeit hervor. 

Andreas Sarközi und Emmerich Gärtner-Horvath (v.l.).

 Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma, und der Beiratsvorsitzende-Stv. Andreas Sarközi hielten die einleitenden Worte, auf Romanes und Deutsch. Sie verwiesen darauf, dass der heutige Tag bestens geeignet sei, um die Sprache der Roma, das Romanes präsenter und hörbar zu machen. "Der Internationale Roma-Tag soll an die vielfältige Kultur, die Geschichte und die Identität der Roma, die über Jahrhunderte hinweg Teil Europas gewesen sind, erinnern. Dieser Tag erinnert zudem an die schweren Verfolgungen und das Leid, das viele Roma in der Vergangenheit erfahren mussten. Doch richtet er sich genauso an die Gegenwart und Zukunft – an die Verantwortung, die wir alle tragen, um Diskriminierung entgegenzutreten und Vielfalt zu schützen." Die beiden Volksgruppenbeiratsmitglieder gingen auch auf das Thema der Veranstaltung ein und stellten fest, dass "Schutzlosigkeit" im Netz unzureichende Handhabe gegen Täter sowie langsame und ausbleibende Reaktionen von Plattformbetreibern bedeute.

Gesprächsrunde mit Parlamentsfraktionen
In einer von ORF Journalistin Sandra Szabo moderierten Gesprächsrunde mit den Volksgruppensprecherinnen und -sprechern der Parlamentsfraktionen zeigte sich breite Übereinstimmung in der Ablehnung von Antiziganismus bei unterschiedlichen politischen Akzenten. Die Parlamentarier waren sich einig, dass Veranstaltungen wie die heutige sowie die Volksgruppenausstellung im Parlament aktiv zum Abbau von Vorurteilen beitragen, indem sie Begegnung und Austausch ermöglichen.

Sandra Szabo, Ingrid Brodnig, Alexander Warzilek, GF des Österreichischen Presserats, Markus Berghammer, leitender Staatsanwalt und Abteilungsleiter im Justizministerium, Emmerich Gärtner-Horvath (v.l.).

Podiumsdiskussion
Die Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig lieferte in ihrer Keynote eine eindringliche Analyse der Mechanismen, die Hass im digitalen Raum antreiben. "Sogenannte 'Ragebait' (dt. Wut-Köder) Postings zielten bewusst darauf ab, Wut auf dem Rücken von Minderheiten Wut auszulösen", so Brodnig. Die Spezialistin für digitale Themen forderte, die Plattformbetreiber deutlich stärker in die Verantwortung zu nehmen: "Das Melden diskriminierender Inhalte sei nach wie vor viel zu kompliziert und führe oft zu keiner spürbaren Reaktion." 

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Ingrid Brodnig, Staatsanwalt Markus Berghammer, Alexander Warzilek, Geschäftsführer des Österreichischen Presserats, und Emmerich Gärtner-Horvath, erklärte der Roma-Beiratsvorsitzende, dass sich der Hass im Internet im Kern nicht von jenem unterscheide, mit dem Roma früher im Gasthaus oder auf der Straße konfrontiert gewesen seien.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Roma-Trio.


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