Kulturverein österreichischer Roma Dokumentations- und Informationszentrum

Das Lager Lackenbach: Historiker Herbert Brettl stellt sein neues Buch im Roma Doku vor

Am 23. November 1940 richteten die Nationalsozialisten auf einem Gutshof am Ortsrand von Lackenbach das sogenannte „Zigeuner Anhaltelager“ ein. Die dort internierten Roma und Sinti mussten unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Lackenbach war aber auch Ausgangspunkt für Deportationen in Konzentrationslager und Vernichtungslager. Rund 4.000 Menschen waren im Lager festgehalten. Nur 300 bis 400 von ihnen erlebten Ende März 1945 die Befreiung durch sowjetische Truppen.

Das Schicksal der Roma und Sinti hatte in der wissenschaftlichen Forschung und der historischen Literatur lange Zeit nur einen geringen Stellenwert.

Das Schicksal der Roma und Sinti hatte in der wissenschaftlichen Forschung und der historischen Literatur lange Zeit nur einen geringen Stellenwert.

Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, präsentierte der Historiker Herbert Brettl im Roma-Doku sein neues Buch „Das Lager Lackenbach“. Der Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma Christian Klippl freute sich unter den zahlreichen Gästen den Botschaftsrat der polnischen Botschaftsrat Przemyslaw Gembiak, Judith Peffer, Vorständin Nationalfonds der Republik Österreich, Weihbischof Franz Scharl, Nationalratsabgeordnete Sabine Schatz, Michael Haider, Völkerrechtsbüro Außenministerium, dem ehemaligen wissenschaftlichen Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes Gerhard Baumgartner sowie Vereinsmitglieder begrüßen zu dürfen.

Lange nicht anerkannt
Brettl stützt sich auf umfangreiche Recherchen in Archiven im In und Ausland und erschließt dabei neue Quellen. Er stellte in seinem Vortrag dokumentierte persönliche Schicksale in den Mittelpunkt und machte damit sichtbar, wer die Menschen waren, die in Lackenbach festgehalten wurden. Auch die Verantwortung der Lagerleitung und der Wachmannschaften wurde thematisiert. Darüber hinaus führte er aus, wie die Zivilgesellschaft das Lager wahrnahm und welchen Nutzen die Zwangsarbeit für die regionale Wirtschaft brachte. Brettl erklärte, dass für die Überlebenden die Zeit nach dem Krieg Besonders schwer wog, da das Lager lange nicht als Konzentrationslager galt. Den Gefangenen wurde über Jahrzehnte die Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus verweigert. Brettl: „Die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Lager erfolgte erst 1984 durch die Historikerin Erika Thurner. Erschwerend für ihre Forschung war der Umstand, dass viele Unterlagen gegen Kriegsende offenbar vernichtet oder beiseitegeschafft wurden.“

Das Buch ordnet das Lager zudem in die lange Vorgeschichte der Diskriminierung von Roma und Sinti ein. Schon in der Zwischenkriegszeit gab es im Burgenland Maßnahmen, um das sogenannte „Zigeunerproblem“ zu lösen. Wer sich ein Bild von der Geschichte des Lagers machen möchte, findet in Brettls Buch nun ein Standardwerk, das Wissenschaft, Bildungsarbeit und Gedenken gleichermaßen dient. Der Nordburgenländer, der zu den besten Kennern der burgenländischen Zeitgeschichte zählt, beschäftigt sich seit langem mit der Geschichte der Roma im Burgenland. Gemeinsam mit dem Historiker Gerhard Baumgartner ist er Autor des Buches „Einfach weg! Die verschwundenen Romasiedlungen im Burgenland.

Erinnern ist Aufgabe der Gegenwart
Das Buch (erschienen im Verlag edition lex liszt 12) wurde seit April 2026 bereits mehrmals vorgestellt, unter anderem im Gemeindeamt Lackenbach, in Dorfmuseum Mönchhof und an der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland in Eisenstadt. Für die Roma im Burgenland ist Lackenbach kein abstraktes Kapitel der Geschichte. Viele Familien tragen die Erinnerung an das Lager bis heute in sich. Jedes Jahr findet in der Nähe des ehemaligen Lagers eine Gedenkveranstaltung für die Opfer statt.

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